Südsudan: Corona verschärft humanitäre Krise

Südsudan

Seit März arbeiten die Teams von HI im Südsudan daran, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. 

Eine Frau mit Behinderung in einem Lager für Binnenvertriebene in Juba, Südsudan

Eine Frau mit Behinderung in einem Lager für Binnenvertriebene in Juba, Südsudan | © Dieter Telemans / HI

Allein in der Region Juba im Südsudan wurden über 5.200 schutzbedürftige Menschen registriert, die im Zuge der Corona-Krise Hilfe benötigen. 

Gerade Menschen mit Behinderung und ältere Menschen sind während der Corona-Pandemie einem hohen Gesundheitsrisiko ausgesetzt und müssen gut informiert werden. Mit der Unterstützung von lokalen Organisationen haben wir beispielsweise Informationsmaterialien zum Coronavirus barrierefrei angepasst. So entstanden zwei Plakate und ein Hörbuch, die im gesamten Südsudan verbreitet werden. Außerdem hat sich HI auch an die Medien gewandt und eine Radiosendung gefördert, durch die rund 280.000 Menschen informiert werden konnten. Denn die zentrale Botschaft lautet: „Lasst niemanden zurück!“ Und das Ziel ist, möglichst viele Menschen aufzuklären, damit das Gesundheitssystem nicht zusammenbricht. In diesem Land mit nur 24 Intensivbetten und sehr begrenzter medizinischer Ausrüstung ist es von größter Bedeutung, die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Aufklärungsveranstaltungen für Team und Freiwillige

Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von HI und 69 Freiwillige aus den Gemeinden, darunter Menschen mit Behinderung und ältere Menschen, Mitglieder von Behindertenorganisationen, Frauen, Jugendliche und religiöse Führungspersönlichkeiten, haben seit Anfang April an 12 Aufklärungsveranstaltungen teilgenommen. Sie wurden über die Epidemie, ihre Übertragungsweise, die Anzeichen, Symptome und Vorsichtsmaßnahmen wie die Verwendung von Masken, das Vermeiden von Händeschütteln, social distancing, häufiges Händewaschen usw. geschult. Sie haben auch gelernt, wie sie die richtigen Botschaften über den Schutz von Menschen mit Behinderung vermitteln. 

Katastrophale Hygienebedingungen

„Unsere Teams setzen alles daran, die Corona-Notmaßnahmen des Landes zu verbessern und die gefährdeten Menschen zu schützen“, sagt Armogast Mwasi, Programmleiter von HI im Südsudan. „Sie arbeiten auf allen Ebenen: von Haustür-Besuchen bei den Schutzbedürftigsten bis hin zur Koordination von Arbeitsgruppen mit den nationalen Gesundheitsbehörden.“ Aber die Lage ist kompliziert.

„Die Gesundheits- und Hygienebedingungen hier sind katastrophal. 56 Prozent der Bevölkerung haben keinen Zugang zu medizinischer Grundversorgung. Von etwa 2.300 Gesundheitszentren sind mehr als 1.300 nicht funktionsfähig, und 40 Prozent dieser Zentren werden nicht staatlich überwacht. Darüber hinaus hat über die Hälfte der Bevölkerung keinen Zugang zu Trinkwasser und gerademal 15 Prozent haben Zugang zu Latrinen. Gegenwärtig leben 1,67 Millionen Binnenvertriebene und 279.880 kürzlich zurückgekehrte Menschen im Land.“ 

Nahrungsmittel werden knapp 

„Auch ohne das Coronavirus befinden sich geschätzt sechs Millionen Menschen in einer Krisensituation oder es mangelt ihnen an Lebensmitteln. Gemeinden mit einer großen Anzahl von Rückkehrenden und Geflüchteten sind besonders anfällig, weil Nahrungsmittel und die Versorgung auf dem Markt bereits knapp sind. Die Schließung der Grenzübergänge aufgrund der Corona-Pandemie übt Druck auf die ohnehin schon hohen Lebensmittelpreise aus und führt zu schwankenden Wechselkursen. Die Schließung von Betrieben, die als nicht unbedingt notwendig eingestuft wurden, macht viele arbeitslos. Das erhöht die Hilfsbedürftigkeit dieser geschwächten Menschen weiter“, erklärt Armogast Mwasi. „Wie man sich unschwer vorstellen kann, finden wir hier nicht die geeigneten Bedingungen vor, um die Ausbreitung der Pandemie wirksam zu bekämpfen. Doch unsere Teams tun ihr Bestes, um die Menschen zu schützen, die der Gefahr des Virus am stärksten ausgesetzt sind. Das Coronavirus verschärft die bestehende humanitäre Krise und alle Probleme in der medizinischen Versorgung, der Wirtschaft, den Einkommensmöglichkeiten sowie die Wasser- und Hygienebedingungen.“

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